Entwachster Schellack als Schleifgrund unter Wasserlack-PU

· von Nora Jensen · 3 Min. Lesezeit

Entwachster Schellack als Schleifgrund unter Wasserlack-PU

Entwachster Schellack ist einer dieser Geheimtipps in der Holzwerkstatt, die sich herumsprechen, sobald jemand einmal fleckige Kirschholzplatten gerettet hat. Als Schleifgrund unter wasserbasiertem Polyurethan funktioniert er hervorragend, vorausgesetzt, er ist tatsächlich wachsfrei und wird dünn aufgetragen. Er blockiert Verfärbungen, bindet Holzstaub, hebt die Maserung an und schafft eine gleichmäßige, gut schleifbare Basis, auf der der Wasserlack zuverlässig haftet.

Warum überhaupt einen Schellack-Schleifgrund verwenden?

Kirsche, Mahagoni, Nussbaum: Diese Hölzer sehen nicht nur edel aus, sie enthalten auch natürliche Extraktstoffe, die mit wasserbasiertem Polyurethan reagieren können. Die Folge sind Flecken oder ungleichmäßige Farbaufnahme, oft erst sichtbar, wenn die zweite Schicht schon trocknet. Entwachster Schellack wirkt hier wie eine Art Schutzschild zwischen Holz und Lack:

Warum “entwachst” kein Marketing-Detail ist

Normaler Flockschellack bringt von Natur aus einen Wachsanteil von rund 4 bis 5 Prozent mit. Das Wachs stammt aus der Sekretion der Schellack-Laus und bleibt im Harz, solange es nicht gezielt chemisch herausgelöst wurde. Für klassische Decklacke ist das meist kein Problem. Für wasserbasierte Systeme dagegen schon, und zwar ein ziemlich hartnäckiges.

Wachsreste stören die Filmbildung des Polyurethans deutlich spürbar:

Entwachster Schellack (im Englischen “dewaxed shellac”, etwa Zinsser SealCoat oder ein selbst angesetzter Super Blonde- bzw. Platina-Schellack aus wachsfreien Flocken) räumt dieses Problem vollständig aus dem Weg. Keine Fremdstoffe, keine gestörte Oberflächenspannung, der Wasserlack kann tun, wofür er gemacht ist.

Anwendung Schritt für Schritt

  1. Holz vorbereiten: Schleifen bis mindestens Korn 180 bis 220, Staub gründlich entfernen. Ein feuchtes Tuch danach hilft, selbst feinste Partikel aus den Poren zu holen.
  2. Schellack verdünnen: Eine 1- bis 2-Pfund-Schnitt-Mischung (etwa 100 bis 200 g Flocken pro Liter Ethanol) ergibt einen dünnen, gut kontrollierbaren Auftrag.
  3. Dünn auftragen: Mit Pinsel, Lappen oder Spritzpistole in gleichmäßigen, überlappenden Bahnen arbeiten. Wer hier spart, gewinnt: Dicke Schichten neigen zu Rissbildung.
  4. Trocknen lassen: Bei Zimmertemperatur (etwa 20 °C) ist entwachster Schellack innerhalb von 30 bis 60 Minuten staubtrocken. Vor dem Schliff sollten trotzdem mindestens zwei Stunden Durchhärtezeit eingeplant werden.
  5. Zwischenschliff: Mit Körnung 320 bis 400 leicht anschleifen, bis sich die Oberfläche seidig glatt anfühlt. Staub am besten mit einem fusselfreien Tuch oder Druckluft entfernen.
  6. Wasserlack auftragen: Polyurethan in dünnen Schichten aufbringen und die Trockenzeiten laut Hersteller zwischen den einzelnen Schichten einhalten.

Wie viele Schichten Schellack sind nötig?

Meistens reichen ein bis zwei dünne Schichten, mehr ist hier kein Qualitätsmerkmal. Eine zu dicke Schellackschicht wird mit der Zeit spröde und reißt unter Belastung, etwa auf einer Tischplatte, auf der täglich Teller geschoben werden. Geht es nur um Fleckenblockierung, genügt oft bereits eine einzige, gut verdünnte Schicht.

Häufige Fehler vermeiden

Fazit

Entwachster Schellack ist ein bewährter, kosteneffizienter Schleifgrund unter wasserbasiertem Polyurethan. Er blockiert Verfärbungen, verbessert die Schleifbarkeit und sorgt für eine saubere Haftung des Decklacks, sofern er wirklich wachsfrei ist, dünn aufgetragen wird und ausreichend Zeit zum Ablüften bekommt. Wer sich an diese Grundregeln hält, bekommt ein Finish, das nicht nur professionell aussieht, sondern auch hält, was es verspricht.

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