Dog Holes im Roubo-Workbench ohne Bohrständer bohren

· von Nora Jensen · 3 Min. Lesezeit

Dog Holes im Roubo-Workbench ohne Bohrständer bohren

Senkrechte Dog Holes in eine 3 Zoll dicke Roubo-Platte bohren, auch ohne Bohrständer

Wer eine Roubo-Werkbank mit einer 3 Zoll (ca. 7,6 cm) dicken Platte baut, kennt das Problem spätestens beim ersten Dog Hole: Wie kriegt man die Löcher wirklich im Lot, wenn kein Bohrständer in der Werkstatt steht? Die Antwort ist einfacher, als man denkt. Mit etwas Vorbereitung, zwei, drei Hilfsmitteln aus der Restekiste und einer ruhigen Hand lässt sich das auch mit einer gewöhnlichen Handbohrmaschine sauber und reproduzierbar hinbekommen.

Warum senkrechte Dog Holes so wichtig sind

Dog Holes nehmen Hobelkeile, Bankhunde und Zulagen auf, damit ein Werkstück beim Hobeln, Sägen oder Schleifen nicht wegrutscht. Steht ein Loch auch nur leicht schief, klemmt der Bankhund, das Werkstück wandert, und die ganze Idee hinter der Werkbank funktioniert nicht mehr richtig. Bei 7,6 cm Plattendicke wiegt jeder kleine Fehler doppelt: Schon 2 bis 3 Grad Neigung summieren sich über die Bohrtiefe zu mehreren Millimetern Versatz am Austrittspunkt. Das reicht, damit ein Bankhund klemmt statt zu gleiten.

Die richtige Vorbereitung ist entscheidend

1. Anreißen statt Schätzen

Jede Bohrposition wird exakt mit Streichmaß oder Schablone markiert, Pi mal Daumen funktioniert hier nicht. Ein Zentrierkörner setzt anschließend eine saubere Führungskerbe, sonst wandert der Bohrer beim Ansetzen schon in die falsche Richtung.

2. Eine selbstgebaute Bohrlehre nutzen

Ohne Bohrständer wird eine einfache Holzlehre zum wichtigsten Werkzeug überhaupt:

Diese improvisierte “Bohrbuchse” zwingt den Bohrer auch ohne jeden Ständer in die richtige Bahn.

3. Mit einem langen Forstnerbohrer oder Schlangenbohrer arbeiten

Für 3 Zoll Materialstärke eignen sich vor allem:

Ein Schlangenbohrer mit Gewindespitze zieht sich praktisch von selbst gleichmäßig ins Holz und bleibt deutlich spurtreuer als ein normaler Spiralbohrer.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Position anreißen und körnen. Eine exakte Markierung ist tatsächlich schon die halbe Miete.
  2. Bohrlehre fixieren. Mit zwei Schraubzwingen gegen jedes Verrutschen sichern, eine Zwinge genügt erfahrungsgemäß nicht.
  3. Von beiden Seiten prüfen. Mit einem zweiten Anschlagwinkel aus 90 Grad versetzter Richtung nachmessen.
  4. Vorbohren mit kurzem Bit. Ein kurzer Bohrer startet präziser und verhindert, dass der lange Bohrer beim Ansetzen wegrutscht.
  5. Mit dem langen Bohrer durchbohren. Langsam, mit gleichmäßigem Druck, die Maschine exakt senkrecht zur Lehre halten.
  6. Von der Gegenseite nachbohren, sobald die Spitze durchbricht. So vermeidet man Ausrisse an der Unterseite.

Zusätzliche Tricks für mehr Präzision

Häufige Fehler vermeiden

Fazit

Ein Bohrständer ist bequem, aber keine Voraussetzung für saubere Dog Holes in einer 3 Zoll dicken Roubo-Platte. Mit einer selbstgebauten Bohrlehre, einem passenden Schlangen- oder Forstnerbohrer und konsequenter Winkelkontrolle aus zwei Richtungen gelingen senkrechte Löcher auch komplett von Hand. Die Zeit, die man in die Vorbereitung steckt, entscheidet am Ende mehr über das Ergebnis als das Werkzeug selbst.

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